„Wir brauchen mehr Betreuungsangebote“ – brauchen wir das wirklich?

Brauchen wir mehr Kindergartenplätze

Gespannt verfolgte ich gestern die Sendung „Am Tisch mit Angelika Merkel“ und hinterher fiel mir nur ein Kommentar dazu ein „Die ganze Diskussion über fehlende Betreuungsangebote und fehlenden Chancen für Mütter Karriere zu machen, geht mir mächtig auf den Geist!“

Immer wieder heißt es, wir brauchen mehr Betreuungsangebote. Doch brauchen wir die wirklich? Wie viele Mütter von euch haben Kinder in die Welt gesetzt um dann ihre Karriere weiter zu führen? Hä???? Mal ehrlich jetzt. Immer wieder dieses Geheule von den Damen da in der Diskussionsrunde, dass sie ihre Karrieren nicht verfolgen konnten oder können, weil es ja zu wenig Betreuungsangebote gibt. Herrjemine, Kind oder Karriere, das war schon immer eine Entscheidung. Ich bin der Meinung, wer ein Kind in die Welt setzt, der sollte sich verdammt noch mal auch selbst um das Kind kümmern. Es kann doch nicht das erklärte Ziel sein, mal eben ein Jahr aus dem Leben zu verschwinden um ein Kind zu bekommen, mit der Erziehung zu beginnen und wenn es dann richtig schwierig wird (Stichwort: Trotzalter, Trocken werden) dann gebe ich es ab. Ist ja so praktisch. Nee, nee, nicht mit mir. Kinder brauchen nämlich ihre Eltern. Huch.

An anderer Stelle ansetzen

Nein, wir bzw. die da oben müssen an ganz anderer Stelle ansetzen. Unternehmen müssten dazu gezwungen werden, Kinderbetreuung im Unternehmen anzubieten. Bin selbst in einen Kindergarten im Krankenhaus gewesen in dem meine Mutter gearbeitet hat. Mütter konnten da jederzeit zu ihrem Kind, auch wenn es Probleme gab. Und dann müssten Arbeitgeber nicht so rumzicken, wenn Mama nach Hause muss, weil das Kind krank ist. Nein, man kann wunderbar zu Hause arbeiten, mache ich seit fast 10 Jahren und lebe immer noch. Uppps!!!

Vielleicht sollten auch Frauen an dieser Stelle mal überlegen was sie wollen. Kind oder Karriere? Will ich meinem Kind eine tolle Kindheit ermöglichen oder will ich Chef sein? Beides geht nämlich nicht. Hin oder her. Und es liegt nicht an fehlenden Betreuungsangeboten.

Und jetzt: das liebe Geld

Jetzt das geniale Gegenargument: dann fehlt es am Geld. Ja sicher fehlt Geld, wenn plötzlich nur noch ein Einkommen da ist. Doch dafür bekommt man sooooooo viel mehr. Wenn glückliche Kinderaugen einen anschauen, dann ist das nämlich nur eines: UNBEZAHLBAR.

Nein, ich werde mal wieder ernst. Auch hier müsste an anderer Stelle angesetzt werden. Ob das Elterngeld oder wie diese neumodischen Finanzspritzen alle heißen die richtige Lösung ist, wage ich mal zu bezweifeln. Aber wenn z.B. Betreuungsangebote für Kinder kostenlos wären (immerhin müssen die Kleinen wenigstens einen halben Tag mit anderen Kindern zusammen sein – Mama kann in dieser Zeit im übrigen total super arbeiten gehen), Schulbücher und -krimskram ebenfalls bezahlt werden würden, dann wären viele Familien sicherlich entlastet. Wenn es regulierte Preise für unbedingt erforderliche Babyausstattungen – ich rede hier von Pampers, Futter, Kinderwagen, Kinderklamotten (besonders Schuhe – boooh, was ich mich immer aufrege) – geben würde, wäre das ebenfalls eine Entlastung. Ja ja, freie Marktwirtschaft – ich weiß.

Gehen wir ein Stückchen weiter und lassen Studiengebühren fallen. Und dann noch ein bißchen weiter und machen Unternehmern mal wieder klar, dass auch Hauptschüler was auf dem Kasten haben können. Machen wir dringend benötigte Berufe interessant. Wer will schon Erzieher werden, wenn er für die Ausbildung nochmal jahrelang auf die Schulbank muss? Wer will alte Menschen pflegen wenn im Kopf der meisten jungen Leute Bilder von dahinvegetierenden Omas und Opas herumgeistern, die in heruntergekommenen Pflegeheimen leben? Es müssen gerade in diesen Bereichen neue Bilder her. Senioren- und Pflegeheime sind heute durchaus sehr modern und verfügen über Hilfsmittel zur Pflege, die diese Arbeit ungemein erleichtert. Wenngleich ich auch an dieser Stelle mal sagen muss: RESPEKT gehört allen gezollt, die in einem solchen Job arbeiten. In den Schulen müsste viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, was für tolle Jobs es gibt und was man alles draus machen kann. Auch wenn einen – ich sag´s mal ganz salopp – die Schule nen Scheißdreck interessiert. Mein Gott, gute Noten hin oder her. Jetzt mal ehrlich: der Schlachter hat ne Waage, der Bäcker auch, der Verkäufer ne Kasse die einem alles ausrechnet. Worauf es ankommt ist doch Spaß an der Arbeit, dann kommt die Motivation von alleine. Und wenn mich eine Verkäuferin freundlich begrüßt, der Tischler mein Regal ganz nach meinen Wünschen baut oder die Friseurin mit den coolsten Haarschnitt verpasst, ist es mir doch schnurzpiepegal was die für ein Zeugnis haben.

Und dann, sehr geehrte Herren und Frauen Politiker, könnten Sie sich die Situation von Alleinerziehenden nochmal genauer anschauen. Ich meine die, die keinen zahlungskräftigen Kindsvater haben. Upps. Was für eine vergessene Personengruppe. Aber Achtung: die dürfen auch wählen!!!! Die Alleinerziehenden könnte man auch umtaufen in die ALLEINGELASSENEN. Die haben nämlich gar keine Unterstützung und – wieder ein Uppps – viele von denen schaffen das dennoch. Weil irgendwie geht es schon weiter. Mit Job, mit Karriere und mit Kind. Und viele dieser Personengruppe haben gar keine Freizeit und können auch ihre Mega-Karriere nicht weiterverfolgen. Sie sind aber dennoch glücklich und ZUFRIEDEN. Denn irgendwann – und da sind wir uns sicher einig – sind die Kinder groß und brauchen die Mama einfach nicht mehr. Wer dann in all den Jahren nicht unter der Erde gelebt hat und ein bißchen was auf dem Kasten hat, der kann sicher auch viele Personalchefs von sich überzeugen.

Fazit und Erkenntnis

Wir brauchen mehr Kinder. Das ist auch mir klar. Und Kinder kosten Geld. Aber so einen großen Wirbel muss man darüber auch nicht machen. Es müssen doch nicht alle Kinder im goldenen Käfig aufwachsen. Warum sollte der Nachwuchs heute nicht auch während der Schulzeit in der Freizeit Zeitungen austragen oder im Studium kellnern gehen? Warum sollen wir den Kindern immer den Weg ebnen?

Und warum sollten wir Erwachsenen uns nicht ein wenig in unserer Selbstverwirklichung zurücknehmen, um in dieser Zeit – die im übrigen auch ein Ende hat – das Wunder von Kindern genießen? Ich hatte auch mal andere Pläne für mein Leben, doch wenn man sich “der anderen Situation” stellt und das Beste draus macht, kann man auch mit einem anderen Lebensplan ziemlich glücklich sein.

Ja, die Welt retten kann ich auch nicht. Mir fällt ja auch nix Besseres ein. Aber bitte hört doch endlich mal auf zu jammern, wie schwer es Frauen doch haben. Jammern schadet nämlich den Kindern. Und die sind unsere Zukunft, oder?

In diesem Sinne ganz liebe Grüße von der glücklichen, alleinerziehenden, selbständigen und für ihr Kind Zeit habenden

Kathrin Bolte

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