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Wenn ich der König von Peine wär…

… dann aber. Also, Peine ist ein Nest. Zahlreiche Versuche Peine attraktiver zu machen, gehen nach hinten los. In Peine ist einfach nichts los. Wie soll man das ändern?

Immer wieder werden bei Facebook Gruppen ins Leben gerufen, die voller Energie etwas bewegen wollen. Jüngst wurde ich in die Gruppe „Peine regio“ eingeladen. Nun habe ich mir das Geschehen dort einige Tage angeschaut und nun ja… mehr als das sich Unternehmer, die in Peine und in Facebook eh schon in zig Gruppen aktiv sind, sich hier präsentieren, passiert hier nicht. Keine konstruktiven Vorschläge wie man Peine zu einem attraktiven Ziel auch für Nicht-Peiner machen könnte. Ziel der Gruppe ist es, das „Bewusstsein für Peine zu stärken“. Ich persönlich denke, die Peiner sind schon Peine-bewusst und ihnen ist auch bewusst, dass hier einfach nix los ist.

Deshalb habe ich mir heute Nacht mal ein paar Gedanken gemacht, was in Peine fehlt, was man besser, anders, schöner machen könnte. Also: wenn ich König (gleichzusetzen mit Milliardär) von Peine wäre, dann..

… würde ich aus der Hertie-Brache ein Freizeitzentrum machen. Eine Bowlingbahn und eine richtig coole Sportsbar, in der es nicht nur alle Spiele der Bundesliga gibt, sondern auch die NASCAR-Series übertragen wird, Formel 1, Basketball, Handball…. das fänd ich ein attraktives Angebot für Peine. So wüssten nicht nur zahlreiche Peiner, was sie in ihrer Freizeit machen könnten, sondern es würde auch Menschen aus anderen Regionen nach Peine ziehen.

… würde ich aus der Elmeg Brache eine Kartbahn und ein Zentrum für Existenzgründer machen. Das neuere Verwaltungsgebäude (das direkt an der Straße steht) würde ich zu kleinen aber feinen Büros umwandeln. Existenzgründer könnten hier ein Büro mieten und sich so eine Zukunft aufbauen. Zu günstigen Konditionen versteht sich. Eine Kreativschmiede, ein Ideenpool könnte hier entstehen. Viele verschiedene Gründer aus den unterschiedlichsten Branchen, die nicht nur jeder für sich am Wuseln sind, sondern die sich gegenseitig unterstützen. Die ehemaligen Produktionshallen der Elmeg müssten abgerissen werden. Der Bereich, in dem sich ehemals die Galvanik befand, müsste saniert und gereinigt werden. Dann ist das Gelände immens groß und könnte einer Kartbahn Platz geben. Wieder ein Magnet, der Peiner wie auch Menschen aus anderen Regionen anzieht.

…würde ich das bald leerstehende Hallenbad zu einer Squashhalle umbauen. Ebenfalls eine Freizeitbeschäftigung, die sehr gut ankommt und so manchem Peiner guttut. Auch dies wäre erneut ein Angebot, das Menschen aus den umliegenden Städten anlocken könnte. Alternativ wäre dort auch ein Planetarium interessant.

… würde ich das neue Hallenbad am Freibad attraktiv gestalten. Was da entstehen soll, ist ein einfaches Schwimmbad. Mehr nicht. Was suchen aber die Familien gerade wenn Kinder bespaßt werden sollen? Sie suchen Animation, etwas was den Kindern Spaß macht. Wellenbad, Riesenrutschen, Wildwasserkanal – sowas wollen die Kids und nicht nur die. Spaßbäder liegen im Trend.

… würde ich die Kneipenszene beleben. Tja, das ist wohl der dickste Knackpunkt in Peine. Es gibt zahlreiche Kneipen und Gaststätten und ich bin immer wieder erstaunt, wie voll die doch sind, wenn z.B. das Honky Tonk Festival ansteht. Wo kommen all die Leute her? Wo sind die sonst? Mit einer Umfrage unter den Besuchern, direkt an einem solchen Abend, könnte man sicher viel darüber in Erfahrung bringen, wie der Peiner heute so tickt.

Geht man aber sonst am Abend in Peine aus, dann ist man nicht selten mit dem Gastwirt alleine. Woran liegt das? Okay, man kann nicht jedes Wochenende weggehen – mir ist das finanziell jedenfalls nicht möglich. Aber die Jugend, die Jugend ist nahezu jedes Wochenende unterwegs und sie gibt sogar Geld aus. Was fehlt also in Peine, dass die Kids lieber mit de Zug nach Hannover oder Braunschweig fahren?

Es fehlt an Attraktivität. Es gab schon zahlreiche nette Konzepte in Peine, denken wir nur mal an die Zeiten der „Wunderbar“ zurück. Da haben sich die Macher Mühe gegeben, mit Mottopartys die Menschen in die Kneipe zu ziehen. Das Konzept ist auch aufgegangen, bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Warum die „Wunderbar“ dicht machen musste, weiß ich nicht. Aber es gibt nichts vergleichbares in Peine. Wo sollen die Jüngeren denn auch hingehen? Unsereiner (Generation 35+) geht hin und wieder ins Phönix. Nette Bedienung, man kann rauchen (für den ein oder anderen ein wichtiger Aspekt) – aber mehr ist da auch nicht. Das reißt doch keinen Jugendlichen vom Hocker. Gerade in solchen Lokalen könnte doch mehr los sein. Mottopartys beispielsweise fehlen mir hier in Peine. Ideen liefert der Kalender doch genug. Warum gibt es keine Super-Bowl-Party? Keine Faschingsfeiern? Kein Halloween? Keine Apres Ski Party und keine Ballermann-Party? Keine Coyote Ugly Girls auf der Theke? Vielleicht sollten sich Peiner Gastwirte auch untereinander besser absprechen. Eine ü30 im Jäger-Heim und gleichzeitig im Härke-Ausschank ist doch echt blöd, wenn dann anschließend wochenlang wieder gar nichts los ist.

Mir kommt bei einem Gang durch die Peiner Kneipenszene oft der Gedanken: hier hat keiner Lust etwas zu organisieren. Es fehlt an Motivation. Und wenn Gastwirte schon keine Motivation haben etwas zu tun, wer denn dann? Ich gewinne immer häufiger den Eindruck, Peiner Gastronomen setzen sich lieber hin und jammern und geben sich einfach keine Mühe. Sie sind nicht von ihrem Tun begeistert und können damit auch keine Begeisterung beim Besucher auslösen.

Ein weiterer Knackpunkt in der Gastronomie in Peine ist meiner Meinung häufig das Personal. Nicht selten stehen schüchterne Mädchen hinter der Theke, die man kaum versteht wenn sie nach weiteren Wünschen fragen. Die im Cafe den Kaffee oben am Tassenrand anfassen, dort wo ich ja trinken möchte, und die völlig überfordert sind, wenn man sofort bezahlen möchte. Kaum eine Bedienung hat mal ein loses Mundwerk, kann den Gast zum Lachen bringen mit ihm flirten (auch ohne Hintergedanken), sich mal drei Worte mit ihm unterhalten. Kaum jemand hat in der Gastronomie gelernt. Es sind viele Aushilfskräfte zu sehen und kaum jemand bringt Begeisterung für seinen Job mit. Ich weiß wovon ich hier rede. Vor gefühlten 100 Jahren stand ich selbst hinter der Theke und habe bedient. Ich hab das nie als lästige Pflicht zum Geld verdienen verstanden. Es war eine nie enden wollende Party. Man hatte für jeden Gast einen lockeren Spruch auf den Lippen, hat sich gekümmert, hat die Produkte aktiv verkauft – lag vielleicht daran, dass wir damals um Umsatz beteiligt waren. Je mehr wir auf unserem Schlüssel hatten, desto mehr haben wir pro Stunde verdient. Das hat einfach motiviert. Und wie wir wissen, ist die innere Einstellung das A und O.

Vielleicht läuft es in einigen Kneipen auch schlechter, weil Inhaber für sich arbeiten lassen, anstatt selbst hinter der Theke zu stehen? Personalkosten machen einen nicht unerheblichen Posten aus. Vielleicht kann man da ansetzen, um Kosten zu sparen und die Gelder in andere Dinge (Events) investieren. Ich will hier niemanden persönlich angreifen – nicht das ich mich demnächst in keiner Kneipe mehr blicken lassen kann. Das liegt mir fern. Aber dieser Eindruck kommt auf, wenn man in Peine unterwegs ist und das ist verdammt schade.

So was würde ich also tun, wenn ich der Kneipenkönig von Peine wäre:

  • Mottopartys,
  • geschultes, professionelles und nettes Personal einstellen, das am Umsatz beteiligt ist
  • kreative Werbemaßnahmen ergreifen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus gehen…

… würde ich den Eixer See noch attraktiver machen. Mit der Strandlust ist ja endlich mal was passiert. Chillen und das Leben genießen, das ist am Eixer inzwischen möglich. Kann man nur hoffen, dass es dabei bleibt – ein Shuttle-Service, wenn dort chillige Strandpartys stattfinden, das wäre noch ein Pluspunkt. Zusätzlich würde ich dort aber eine Wasserskianlage installieren, damit ein weiteres Highlight geboten wird, dass als Publikumsmagnet fungiert. Des Weiteren würde ich dafür sorgen, dass der See drumherum sauber ist – immer. Jeden Tag!

… würde ich die Einkaufsstrukturen komplett ändern. Ein Gang durch die Innenstadt ist mehr als ernüchternd. Es gibt kaum attraktive Geschäfte, ganz zu schweigen Vollblutverkäufer. Und wieder komme ich auf die Servicewüste zurück. Verkäufer, die sich miteinander unterhalten, während der Kunde mit dem Geldschein wedelt, geht nun mal gar nicht. Geschäfte für Kinderbekleidung, bei denen ich mit dem Kinderwagen nicht mal durch die Gänge komme, geht gar nicht. Geschäfte, in denen ich nicht mal mit Kreditkarte bezahlen kann, geht gar nicht. Geschäfte, in denen ich mich als Kunde lästig fühle, geht gar nicht.

Es wird immer gejammert: in Peine geht keiner einkaufen. Ja dann schaut verdammt noch mal über den Tellerrand und nehmt euch ein Beispiel an Hannover oder Braunschweig. Warum gehe ich denn da so gerne einkaufen? Warum nehme ich denn die Anfahrt in Kauf – bei den Spritpreisen? Weil ich da bei H&M einkaufen kann und auch so eine größere Auswahl habe. Weil ich es dort noch nie erlebt habe, dass Verkäufer kein Lächeln im Gesicht haben. Weil dort meine Kreditkarte glühen kann. Weil ich dort eine Pizza auf die Hand bekomme, weil ich dort bei Starbucks einen leckeren Kaffee bekomme, weil ich da spontan in eine Sushi-Bar einkehren kann. Peine hat einfach keinen Lifestyle.

Shoppen ist heute ein Erlebnis, sollte es zumindest sein. Weil Shoppen für viele Menschen etwas ganz besonderes ist. Kann man sich eben nicht so oft leisten. Und wenn man die Kohle schon mal locker in der Tasche hat, dann möchte man auch was erleben. Doch was erlebe ich in Peine auf einem typischen Shoppingsamstag? Nichts. Einfach nichts. Und schon gar nicht wenn ich erst am Nachmittag losgehe. Dann ist die Hälfte der Geschäfte schon zu. Tolle Wurst.

Inhaber sollten ein wenig mehr darauf achten, was ihre Angestellten da so treiben. Natürlich sollte niemand überwacht werden, aber wenn ich an meine Zeit im Einzelhandel zurückdenke, dann ist glaub ich ein ganzes Stück Respekt verloren gegangen. Respekt vor dem Kunden, der dir lieber Verkäufer schlussendlich das Gehalt zahlt. Das ist doch für´n Fuß. Wenn ich aber doch nett in einem Geschäft begrüßt werde – und das nicht nur weil ich die Verkäufer kenne – dann geh ich doch lieber da einkaufen, anstatt im Internet zu bestellen oder nach H oder BS zu fahren. Ich wünsche mir hier einfach ein bißchen Service, ein bißchen mitdenken, ein bißchen kümmern. Es gibt leider nur eine Handvoll Geschäfte in Peine, in denen heute echter Kundenservice noch gelebt wird. Dabei haben doch einige Geschäfte ein Monopol in der Innenstadt, das sie für sich nutzen könnten. Mein Gott, was haben wir früher die Kunden verwöhnt. Wenn ein Produkt grad nicht lieferbar war, haben wir es bestellt und dem Kunden angeboten es ihm zuzuschicken oder man hat es auf dem Heimweg schnell vorbei gebracht.

So und jetzt fangt mir bloß nicht damit an, dass die Kunden ja immer schlechte Laune haben und Verkäufer wie Restmüll behandeln. Solche gab es auch früher schon. Doch unser Wettbewerb damals hieß: “Jeden Kunden bringen wir zum Lachen” – ausnahmslos jeden. Das hat nämlich Spaß gemacht, uns Verkäufern und schlussendlich auch den Kunden. Und siehe da, die Kunden haben es gedankt. Nicht nur indem sie wiedergekommen sind. Nein, sie haben uns zu Weihnachten eine Tafel Schokolade mitgebracht. Da weiß man doch, wofür man sich den Ar… aufgerissen hat.

… würde ich im Wasserturm im Herzberg ein ultracooles Cafe einrichten. Der Herzberg ist so schön. Doch nur einfach durch den Wald rennen macht nun mal keinen Spaß. Wäre das Ziel aber ein leckerer Kaffee, ich schwöre, dann würde ich dort häufiger anzutreffen sein. Selbst im Herzberg selbst könnte man einiges attraktiver gestalten. Trimmpfad, Naturerlebnispfad für Kinder – angeblich gibt es das, beim letzten Spaziergang ist mir das aber nicht aufgefallen.

…. würde ich attraktive Stadtführungen anbieten. In Hildesheim beispielsweise kann man die Stadt auf dem Segway kennenlernen. In wieder anderen Städten wird eine Stadtführung durch die Kneipen organisiert. In Peine sucht man sowas vergeblich.

… würde ich ein Kino bauen. Wir brauchen bitte ein vernünftiges Kino. Ins Kino gehen ist heute auch ein Erlebnis – auch wenn es teuer ist, oder gerade deswegen. Doch in Peine ins Kino zu gehen, ist irgendwie eine Zumutung. Ich weiß gar nicht wann ich das letzte Mal hier im Kino war, aber es muss nicht gut gewesen sein, sonst würde ich doch nicht immer nach Braunschweig fahren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich dort einfach etwas Modernes sehe – Nostalgie brauche ich an dieser Stelle nicht.

… würde ich den Anwohnern, die damals am Hagenmarkt durchgesetzt haben, dass man sich hier nur noch im Flüsterton treffen darf, anraten: zieht doch auf´s Dorf. Da ist es ruhig. Was haben wir für tolle Stunden auf dem Hagenmarkt gehabt. Da war immer was los, was natürlich auch die Kneipenszene belebt hat. doch dann durften wir unsere auf Hochglanz polierten Autos da nicht mehr präsentieren und nach und nach machte fast jede Kneipe zu. Tja, wenn man die Peiner auch nicht haben will….

… würde ich die Tradition pflegen. Es gibt so viel Menschen in Peine und ganz viele sind zugezogen oder wohnen auf den umliegenden Dörfern. Viele von ihnen kommen aber weder in die Dorfgemeinschaft hinein, noch in die Tradition des Peiner Freischießens. Immer wieder klagen gerade die Korporationen über Nachwuchsmangel. Warum ist das so? Sterben die echten Freischießen-Feierer aus? Können sie die geliebte Tradition nicht an ihren Nachwuchs weitergeben? Wie werden Zugezogene von Seiten der Stadt über „das“ Fest der Peiner aufgeklärt? Vielleicht kann man eine Infoveranstaltung für Zugezogene und Interessierte machen. Peiner Freischießen in Wort und Bild. Material gibt es doch da genug. Vielleicht kann man Nicht-korporierte zum Freischießen offiziell auf die Zelte einladen? Ihnen das Fest einfach näher bringen.

Tja, leider bin ich nicht der König von Peine und von meiner ersten Million noch weit entfernt. Aber vielleicht können wir ja endlich doch mal machen, statt immer nur zu reden….. wenn jeder bei sich selbst anfängt bringt das mehr, als jeder Milliardär investieren kann.

In diesem Sinne, habt ein tolles Wochenende und bleibt bloß nicht auf dem Sofa sitzen…

Eure Kathrin Bolte

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