BOLTEbloggt

Wahlkampf 2013 – Hallo Politiker, ihr habt da was vergessen

2013 – Wahljahr und ich beschäftige mich zum erstem Mal so richtig mit Politik. Ja ich gebe zu, in den letzten Jahren war mir das alles ziemlich schnurzpiepegal, doch so langsam fühle ich mich in Deutschland richtig verarscht.

Also habe ich mich mal mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinander gesetzt. Nächstes Geständnis: ich habe mir nur die der CDU und der SPD angeschaut, weil schlussendlich entscheidet sich ja doch alles zwischen den beiden. Was mich dabei besonders interessiert ist der Punkt Familie.

Das will die CDU (Quelle):

  • das Ehegattensplitting erhalten
  • ein Familiensplitting einführen
  • Kindergeld und Kinderzuschlag erhöhen
  • mehr Freiräume bei der Gestaltung der Elternzeit durch Teilelterngeld, das bis zu 28 Monate bezogen werden kann
  • Eltern, die ihre Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr nicht in eine öffentlich geförderte Kinderbetreuung geben, werden mit dem Betreuungsgeld ab 1. August 2013 (bereits erreicht)
  • Rückkehr von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigungen erleichtert werden
  • „Großelternzeit“ einführen

Das will die SPD (Quelle):

  • Betreuungsgeld wieder abschaffen, das so gesparte Geld komplett in den Ausbau von Kitas und Tagespflege investieren
  • Kindergeld neu strukturieren, um Familien mit geringen und mittleren Einkommen davor zu bewahren, auf Hartz-IV-Niveau abzurutschen: Familien mit einem Einkommen bis 3.000 Euro können mit dem bisherigen Kindergeld von 184 Euro und einem Kinderzuschlag von 140 Euro auf bis zu 324 Euro pro Monat kommen
  • Ehegattensplitting reformieren; für künftige Ehen soll ab einem Stichtag anstelle des Ehegattensplittings ein Partnerschaftstarif für Ehegatten gelten, bei dem beide Partner individuell besteuert werden. Dabei sollen dennoch die gegenseitigen Unterhaltsverpflichtungen berücksichtigt werden. Anstelle der Steuerklassenkombination III/V soll das sogenannte Faktorverfahren zur Norm gemacht werden. Dabei werden beide Einkommen mit einem gleich hohen Durchschnittssatz besteuert.
  • Familienarbeitszeit einführen, die es Eltern erlauben soll, ihre Arbeitszeit zeitlich befristet partnerschaftlich zu reduzieren (z.B. 30-Stunden-Woche), ohne dass dies zu Lasten ihrer beruflichen Entwicklung geht. Wer familienbedingt in Teilzeit geht, soll einen Rechtsanspruch erhalten, in Vollzeit zurückzukehren.

So irgendwie wird hier doch nur etwas für zukünftige Familien getan. Oder verstehe ich das falsch? Was ist denn bitte mit den Eltern, die bereits Kinder haben? Ich rede von älteren Kindern, 10-Jährige zum Beispiel? Und wo bitte sind hier mal gute Nachrichten für ALLEINERZIEHENDE dabei? Nüscht.

Warum ich immer auf den Alleinerziehenden herumreite. Weil ich in dieser beschissenen Situation stecke. Nein, ich bin froh mein Kind allein groß zu ziehen, doch wenn ich an die Finanzen denke, dann könnte ich einfach nur Kotzen. Sicher geht es mir da nicht alleine so. 1,6 Millionen Alleinerziehende gibt es in Deutschland, so der Stand 2009. Dürfte sich inzwischen vermehrt haben. So wenn alles prima läuft, zahlt Papa (oder eben auch Mama) brav den Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle. Dazu das Kindergeld und man kann recht gut leben. Man kann dann sogar arbeiten gehen, denn die Kosten für die Kinderbetreuung dürften mehr als gedeckt sein.

So nun kommen wir mal zu den “Problemfällen”: der andere Elternteil kommt seiner Unterhaltsverpflichtung nicht nach, weil er vielleicht arbeitslos ist, sich abgesetzt hat oder nicht zahlen will (soll es ja geben sowas) oder weil er so viel verdient, dass die Pfändungsgrenze – die im übrigen bei unglaublichen 1.049,99 EURO liegt – nicht überschritten wird. Also, was dann?

In einem solchen Fall hilft das Jugendamt mit dem sog. Unterhaltsvorschuss. Er beträgt 133 Euro (bis 6. Lebensjahr) 180 Euro (bis 12. Lebensjahr). Weit weg von der Düsseldorfer Tabelle, die ebenso immer wieder wie die Pfändungsgrenze angepasst wird, der Unterhaltsvorschuss aber nicht. Gezahlt wird der Vorschuss aber nur bis zum 12. Lebensjahr oder längstens für 6 Jahre.

So und nun komme ich ins Stolpern und habe da mal so ein paar Fragen:

Warum bekommt ein zehnjähriges Kind laut Düsseldorfer Tabelle vom anderen Elternteil rund 300 Euro, vom Jugendamt aber nur 180 Euro? Warum wird Barkindsunterhalt solange bezahlt wie das Kindergeld, Unterhaltsvorschuss aber in weitaus engeren Grenzen?

Und wenn ich schon mal dabei bin: Väter gehen auf die Barrikaden und wollen mehr Rechte. Find ich soweit auch gut. Nun rufe ich aber mal die Frauen auf, auf die Barrikaden zu gehen und zwar die Frauen, deren Kindsväter sich nicht kümmern wollen. Upps, die gibt es nämlich auch. Warum also kann ich den Vater nicht zwingen, seinen väterlichen Aufgaben nachzukommen, indem er die Hälfte aller Schulferien die Kinderbetreuung übernimmt? Ich meine, gleiches Recht für alle, oder? Gerade die Väter, die ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen wollen oder können oder wie auch immer. Warum bin ich als alleinerziehende Mutter da völlig auf mich gestellt? Ich kann in den Sommerferien im Grunde 6 Wochen nicht arbeiten gehen. Welcher Arbeitgeber macht das denn mit? Wenn ich mich um eine Betreuung kümmere, kostet die mich Geld. Da ich aber eh schon nicht den vollen Unterhalt für´s Kind bekomme, ist die Betreuung unbezahlbar. Ich gehe also nur noch arbeiten, damit ich den Babysitter bezahlen kann. Da läuft doch etwas mächtig falsch.

So nun gehe ich noch weiter. Wenn ich wenig verdiene als Alleinerziehende und mich wirklich komplett alleine kümmere, dann gibt es weitere Möglichkeiten für Zuschüsse. Das ist ja auch alles schön. Aber dann habt ihr Politiker wieder eine Familienkonstallation vergessen: Alleinerziehende Mütter mit Partner.

Sobald ich mit einem volljährigen Partner zusammenlebe, wird das gesamte Familieneinkommen berücksichtigt. Ganz ohne darauf zu schauen, ob der Partner vielleicht ein Unterhaltspflichtiger ist, der schön brav 300 Euro und mehr für sein Kind (Kinder) abdrückt. Das wird einfach nicht berücksichtigt. Und so bekommt die Alleinerziehende wieder nüscht vom Kuchen ab. Und genau das macht mich mächtig SAUER!

Liebe Politiker, es würde nicht schaden, wenn ihr nicht immer nur von einer heilen Welt ausgeht. Heute gibt es so viele verschiedene Familienmodelle, was euch ja gar nicht so unbekannt sein sollte. Vielleicht werft ihr mal einen Blick ins Leben – in unser Leben, in das der Wähler – und schaut nicht immer nur auf euer Leben. Das unterscheidet sich mächtig von dem des kleinen Mannes und von großartigen Frauen die alles alleine wuppen auch. Sollte ich hier mit meinen Behauptungen total daneben liegen, belehrt mich bitte eines besseren.

Im übrigen bin ich keine frustrierte Mama, auch wenn mein Gemecker vielleicht den Anschein hat. Aber ich musste einfach mal Dampf ablassen. Seht es mir nach :-). Leider weiß ich immer noch nicht, wen ich wählen soll….

Liebe Grüße Kathrin Bolte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.