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Plötzlich Praktikant

Wer einmal in einen echten Jungbrunnen fallen möchte, der sollte unbedingt mal wieder ein Praktikum machen. Ich bin seit heute (13. Januar 2014) Praktikantin bei der Peiner Allgemeinen Zeitung.

Innerhalb von nur wenigen Sekunden mutierte ich von der erfolgreichen Geschäftsfrau zum Praktikanten. Zum Glück muss man in der Redaktion als eben dieser keinen Kaffee kochen, das können die Herren und Damen alleine, erklärt man mir, aber niemals hätte ich gedacht, dass ich noch soooooo viel lernen könnte. Ich sitze seit gut 20 Jahren vor dem Rechner und nutzte in meiner beruflichen Laufbahn schon so manches EDV-System. Doch so ein Redaktionssystem ist ja gleich mal wieder was ganz anderes. So viele Funktionen, so viele Tastenkombinationen, so viele Möglichkeiten mit der Maus zu klicken und so viele Chancen die Nachrichten von morgen einfach so zu vernichten. Okay, so schlimm wird es schon nicht sein. Aber mächtig Bammel habe ich trotzdem.

Zum Glück aber sind die Kollegen alle suuuuuper nett und vor allem irre hilfsbereit. Mein fast 40 Jahre altes Hirn kann nämlich nicht mehr alles abspeichern. Die Festplatte ist schon ziemlich voll oder hat einen Schaden genommen. Ich kann das nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber er stört die Kollegen nicht (man merkt es zumindest niemandem an) wenn ich ein und dieselbe Frage immer und immer wieder stelle. Zwar mache ich mir immer brav Notizen, doch jeder Artikel den man da so schreibt, scheint andere Vorgehensweisen zu benötigen. Ob ich mir das alles merken kann? Uff. Bitte liebe Festplatte da unter dem Pony, lass mich nicht im Stich.

Bei der Zeitung arbeiten und Nachrichten machen hatte ich mir dennoch ganz anders vorgestellt. Irgendwie stressiger. Okay, vielleicht kommt das noch. Habe ja erst einen Tag hinter mir. Spannend ist die Klärung der Frage “Wie kommen die Nachrichten eigentlich in die Zeitung?” aber allemal. Und jetzt bin ich ein Teil davon und es macht einfach nur irre Spaß. Obwohl…

…. ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir mein kleiner Büroschlaf, den ich in meiner Firma immer genieße, ganz schon gefehlt hat. Da hilft auch keine Kaffeepause. Am Tiefpunkt meines Tages (gegen 14.30 Uhr) musste ich glatt erstmal 10 Minuten an die frische Luft. Ich dachte zuvor, ich falle gleich mit dem Kopf auf die Tasten. Eben alles sehr gewöhnungsbedürftig. Jedoch wollte ich dieses Praktikum unbedingt. Ich bin jetzt einige Monate als freier Mitarbeiter dabei und schreibe schön bequem meine Beiträge zu Hause. Doch wenn ich mich mit dem Redaktionssystem auskenne (also weiß wie die Nachrichten in die Zeitung kommen), dann sind die Kollegen entlastet, weil sonst müssen die das ja immer machen. Außerdem gilt ja bekanntlich “learnig by doing” – und das ich noch viel lernen muss, dass habe ich heute gemerkt. Gerade auch beim Schreiben selbst. Da verdient man seit fast 10 Jahren mit dem Schreiben sein Geld und merkt plötzlich „oppps, das geht ja noch viel besser“. In diesem Sinne bin ich sehr gespannt, was mir die Woche noch so bringt. An Lebenserfahrung als Praktikant.

Erkenntnis des Tages: und man lernt eben doch nie aus!

 Projekt Praktikant 2. Tag (Dienstag, 14. Januar 2014)

Heute musste ich lernen, dass man für die Berichterstattung ordentlich Sitzfleisch mitbringen muss. Für die Beiträge unter “Menschen vor Gericht” saß ich heute stolze 7 Stunden im Gericht, um dann in nur wenigen Minuten einen Beitrag in der Redaktion zu schreiben. Aber anders geht es nun mal nicht. Schließlich kann man sich nicht einfach was ausdenken, das macht man bei einer seriösen Berichterstattung einfach nicht.

Mir gehen die Schicksale der dort verhandelten Fälle nah. Es ist schon heftig was hinter bestimmten Straftaten steckt und nicht immer ist es die pure kriminelle Energie. Erschreckend in welcher Not sich manche Menschen (es könnten unsere Nachbarn sein) befinden und mit welchen Motiven sie handeln. Zeitweise musste ich wirklich die Luft anhalten und mich zusammenreißen, dass ich nicht anfange zu heulen. Ich habe heute somit auch gelernt, Menschen die vom Leben etwas benachteiligt sind, nicht gleich vorzuverurteilen. Manchmal steckt hinter ihrem Handeln etwas ganz anderes.

Erkenntnis des Tages: ich kann sieben Stunden stillsitzen

 Projekt Praktikant 3. Tag (Mittwoch, 14. Januar 2014)

Jeden Tag stellen sich mir hier zig neue Fragen, die sich lange nicht nur auf das gefürchtete Redaktionssystem beziehen. Wie kommen denn die brandaktuellen Nachrichten in die Zeitung? Was wenn ich schon schön Feierabend habe, in Peine aber noch was Interessantes passiert? Es ist erstaunlich wie viel Organisation hinter einer solchen Zeitung steckt und wie anstrengend es manchmal sein kann, immer aktuell zu sein. Schließlich möchtet ihr liebe Leser ja nicht wissen, was vorgestern passiert ist.

Ich sehe die Arbeit eines Redakteurs oder Journalisten jetzt zumindest mit ganz anderen Augen. Dachte ich doch immer, “och cool, die haben ein abwechslungsreiches Leben, werden von Unternehmen hofiert und gestreichelt (jeder will schließlich gute Nachrichten über sich lesen) und so ein Redakteur macht sich bestimmt auch nicht tot, denn anders als in anderen Branchen muss er ja nicht direkt was verkaufen.” Doch weit gefehlt. Die Kollegen sitzen da zum Teil bis zum späten Abend, müssen nicht nur ihren Arbeitsalltag organisieren, sondern nebenbei ja auch noch Kind und Kegel. Sie sind immer da wo was passiert, ganz gleich ob es aus Eimern schüttet, eiskalt ist oder die Sonne brennt. Und doch haben sie immer Zeit einem dusseligen Praktikanten wie mir zum xten Mal zu erklären, wie der Text denn nun gespeichert wird. RESPEKT! Und gleich auch mal ein dickes DANKE!!!

Erkenntnis des Tages: aktuell sein ist anspruchsvoll!

Projekt Praktikant 4. Tag (Donnerstag, 16. Januar 2014)

Ich war heute wieder bei Gericht. Es ist aber auch spannend was hier im beschaulichen Peine alles so passiert. Es fängt immer mehr an mir Spaß zu machen, was wohl auch daran liegt, dass ich ENDLICH einen ganzen Beitrag ganz ALLEIN ins Redaktionssystem eingegeben habe. Meine endlosen Aufzeichnungen sind nun lückenlos und ick freu mir wie Bolle. Und noch ein Highlight schießt hinterher: ich habe heute irre viel zum Thema “Überschriften” gelernt. Schlussendlich sind die Tipps die ich zu den Überschriften bekommen habe länger als alle anderen Notizen, die ich mir in dieser Woche gemacht habe. Was man da alles falsch machen kann, einfach irre. Und das alles nur, lieber Leser, damit du richtig große Lust darauf bekommst, einen Beitrag auch wirklich zu lesen.

Erkenntnis des Tages: meine Festplatte unter dem Pony funktioniert

 Projekt Praktikant 5. Tag (Freitag, 17. Januar 2014)

Freitag – Endspurt – dabei will ich da gar nicht mehr weg. Also, mein Projekt Praktikant war ein echter Erfolg. Selten habe ich in einer Woche so viel gelernt wie in dieser und selten wurde ich von einer ganzen “Firma” von der ersten Sekunde an als Teil des Teams betrachtet (zumindest habe ich mich so gefühlt). Und meine Lobeshymnen auf die Redaktion fallen nicht so positiv aus, weil man das als guter Praktikant eben so macht, sondern weil es in der Tat so ist. Das ist ein ganz liebenswerter Haufen. Jeder ist so ruhig und hilft in jeder Situation, ganz gleich mit wie vielen dummen Fragen ich angekommen bin.

Ihr alle könnt aber beruhigt durchatmen. Ich denke ich habe jetzt ganz gut den Durchblick. Zudem haben das Redaktionssystem und ich eine Friedenspfeife geraucht, sodass wir einer erfolgreichen Zukunft entgegenblicken. Sofern, naja, ich wiederkommen darf?!!!

Jedenfalls wurde meine Frage „Wie kommen die Nachrichten in die Zeitung?“ ausgiebig beantwortet. Wusstet ihr schon, dass … oder dass…. ach nein, liebe Leser, so genau berichte ich dann doch nicht und behalte die ganz großen Geheimnisse mit einem Augenzwinkern für mich.

Mir jedenfalls hat schon lange kein Job mehr so viel Spaß gemacht wie dieser und ich bin ziemlich happy, dass ich als freier Mitarbeiter ein Teil dieses Teams bin. Also, liebe Leser, machen wir den Planeten ein bisschen smarter, Peine ist es ja schon 🙂

Erkenntnis des Tages: es gibt Jobs, die sich einfach gut anfühlen

Eure Kathrin Bolte

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