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Offener Brief an alle Lehrkräfte von Auswärts

Hallo liebe nicht-in-Peine-wohnende Lehrer,

heute wende ich mich mit einem ganz besonderen Anliegen an Sie. Wie Sie in den letzten Tagen bestimmt festgestellt haben, steuert Peine einem absoluten Ausnahmezustand entgegen.

Der Weg zur Schule ist von Umleitungen gekennzeichnet und die Kinder in der Klasse kennen irgendwie kein anderes Thema mehr als dieses “Peiner Freischießen”. Doch was ist das eigentlich genau? Nähern wir uns der Sache mal geschichtlich.

Das Peiner Freischießen ist eine Traditionsveranstaltung und gleichzeitig das größte Fest der Stadt. Es dauert fünf Tage und findet immer am ersten Wochenende im Juli statt. Seit mehr als 400 Jahren feiert man dieses Fest in unser wunderschönen Fuhsestadt.

Diese fünf Tage sind gekennzeichnet von viel Spaß und vor allem Musik. Zahlreiche Spielmannszüge erfreuen die Peiner mit ihrer Musik. Es gibt Festumzüge und viele weitere Attraktionen. Wie jede andere Tradition auch kann diese nur dann leben und aufrechterhalten werden, wenn der Nachwuchs mit dabei ist. Die Schüler, die bei ihnen im Unterricht sitzen – zugegeben leider nicht alle – aber genau diese Schüler tragen das Peiner Freischießen. Ohne sie gäbe es unser schönes Fest bald nicht mehr. Und Sie werden mir gar nicht glauben, was so ein Spielmann, so eine Spielfrau an den fünf tollen Tagen leistet. Ich will es Ihnen verraten:

  • Freitag: 14.15 bis 16.00 Uhr: Platzkonzert der SGPF Spielmannszüge
  • Samstag: 9.00 bis 22.00 Uhr: Ständchentour quer durch Peine
  • Sonntag 10.15 – 17.30 Uhr: Abholen der Könige, Großer Umzug durch die Innenstadt
  • Montag 10.30 bis 19.00 Uhr: Kattenhägener, Hauptumzug, Königsproklamation
  • Dienstag: 14.00 bis 23.00 Uhr: bunter Umzug, Fackelumzug

Nicht gerade wenig Einsätze, die von Korporation zu Korporation unterschiedlich sind. In der Summe aber laufen die Jungs und Mädls mehrere Kilometer am Tag. Nicht selten in sengender Hitze. Sie machen das freiwillig. Sind mit Herzblut dabei. Lieben dieses Fest, leben für dieses Fest. Das Peiner Freischießen schafft es, eher unsportliche Kinder vom Sofa zu locken und mitzumachen. Das Traditionsfest schafft es, Spielkonsole, Computer und Handy fünf Tage am Stück links liegen zu lassen. Dieses Fest schafft es, dass Kinder eigenständig werden, eigenverantwortlich handeln und das Miteinander wirklich leben. Das Peiner Freischießen ist der Höhepunkt des Jahres. Die Belohnung für stundenlanges Üben und Proben. Ist das nicht unglaublich?

Und jetzt kommen Sie, liebe Lehrkräfte, ins Spiel. Hin und wieder stellt sich die Problematik, dass Freischießen nicht in die Sommerferien fällt, sondern in die Schulzeit. So weit. So gut. Kinder, die in Spielmannszügen und Korperationen aktiv sind und am Freischießen teilnehmen können sich beurlauben lassen. Das ist schön, können doch wirklich nur so Traditionen aufrechtgehalten werden. Doch was machen Sie, liebe Lehrkräfte? Sie setzen eine Mathearbeit für den Freischießendienstag an. Also das geht einfach gar nicht. Anhand des obrigen Plans werden Sie sicher einsehen, dass einfach keine Zeit zur Vorbereitung bleibt. Denn selbst wenn eine Befreiung vorliegt hieß es “Arbeiten sind davon ausgenommen… es kann doch nicht sein, dass wegen Freischießen alles verschoben wird”. Traurig stimmt mich das. Traurig vor allem wenn man junge Lehrkräfte vor sich hat, die aber leider aus Hannover kommen und mit der Peiner fünften Jahreszeit nichts am Hut haben.

Daher bitte ich nur darum, zukünftig einfach die Freischießentage als das anzusehen was sie sind:”schulefreie” Tage. In dieser Zeit ist der Kopf der Kinder mit anderen Dingen gefüllt. Und das ist gut so. Arbeiten können das ganze Jahr noch geschrieben werden, gerade in diesem Jahr ist noch unendlich viel Zeit dafür. Machen Sie mit einer solchen Planung bitte nicht unser Freischießen kaputt. Kommen Sie lieber vorbei und feiern Sie mit.

Wir sehen uns – ohne Mathearbeit – oder?

Alternativ schauen Sie sich einfach dieses Video an, dann sind Sie ziemlich gut im Bilde:

Mit freundlichen Grüßen Kathrin Bolte

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