Geschichten vom Andersdenken

„Finde deinen Stil!“ – und warum?

Letztes kam meine elf Jahre alte Tochter nach Hause und erzählte mir was von den „Beigen“. Absolutes Unverständnis meinerseits. Die „Beigen“? Wer bitte soll das denn sein? „Na das sind die Alten!“ klärte mich meine Tochter auf.

Danach stellte sich mir die Frage: wann fängt das eigentlich an, dass man mit Faltenrock und Blümchenmuster auf Partys geht? Das man beigefarbene Hosen und nudefarbene Blusen trägt? Stützstrümpfe und dazu bequeme beigefarbene Schuhe? Wann wird es bei mir so sein? Und wie ist eigentlich mein Stil?

Fragen über Fragen. Eine Antwort kenne ich nicht, denn ich frage mich ja schon: warum brauche ich eigentlich einen eigenen Stil? Ich finde nicht das ich einen eigenen Stil brauche, was aber auch nicht gleichbedeutend mit „ich bin stillos“ ist. Eigentlich kopiert man doch nur jemanden, wenn man sich seinen eigenen Stil zulegen möchte, oder? Man ist ein Abziehbild, nicht selten von Stars und Sternchen. Man schaut sich andere Frauen an, sieht hier oder da eine Klamotte, die man auch haben muss. Oftmals kommt gerade im Teenageralter die Frage auf „Warum habe ich bloß keinen eigenen Stil?“ Begleitete von einer Mischung aus Wut und Verzweiflung. So ist das teilweise auch bei mir. Denn mal renne ich in zerrissener Jeans herum, mal im Kleinen Schwarzen und mal ganz businesslike im Hosenanzug. Damit stellt sich gleich die nächste Frage: was ist Stil überhaupt? Laut Wikipedia ist Stil: „… eine charakteristisch ausgeprägte Art der Ausführung menschlicher Tätigkeiten…. umfasst auch allgemeinere Phänomene etwa der Alltagskultur, zum Beispiel die Art wie man sich kleidet, schmückt, sein Haar trägt….“**

Aha! Doch immer wieder komme ich auf die Frage zurück: warum brauche ich einen eigenen Stil? Wer hat sich das ausgedacht? Wer will mir diktieren, dass ich einer bestimmten Stilrichtung treu sein muss?

Psychologen erklären das mit dem Stil so, dass er den Charakter widerspiegelt. Okay: das heißt ich bin völlig durchgeknallt. Mal businessfrau, mal Teenager, mal einfach nur in Null-Bock-Stimmung, mal Disco-Mieze. Aber ist das nicht völlig okay? Ist es nicht gerade der Reiz an Mode? Sich immer wieder neu zu erfinden? Klar, Kleider machen Leute, aber bin ich nicht ein genauso schlauer (oder dummer) Mensch, wenn ich zum Geschäftstermin mit Turnschuhen gehe? So ein Look sagt ja nicht unbedingt dass ich schlampig bin. Es könnte ja auch zum Ausdruck bringen, dass ich sportiv bin und damit für die Geschäftswelt bestens eignet. Schnelligkeit ist immer gefragt und mal ehrlich: in Highheels ist es um die Schnelligkeit nicht so gut bestellt.

Gibt man bei google ein „Warum braucht man einen eigenen Stil?“ gibt es keine Antwort darauf. Einzig auf einer Webseite zum Thema „Webdesign“ habe ich einen Satz gefunden, der mich begeistert „Begrenzt man sich nicht eher, wenn man sich nur auf einen Stil konzentriert?* „Ganz meine Meinung. Man schränkt sich doch total ein. Stell dir vor du siehst eine Bluse, die dir gefällt. Sie passt und ist nicht allzu teuer. Kaufst du sie nicht weil sie nicht zu deinem Stil passt?

Einen echten Stil kann ich bei mir also nicht erkennen, aber ich fühle mich sauwohl in meinen Klamotten.

Erkenntnis des Tages: lasst euch keinen Stil aufdrücken, habt Spaß an Mode. Mehr nicht.

Eure Kathrin Bolte

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