Ende des Eulenmarktes in Peine – früher war mehr Lametta

Ein großes Entsetzen über die Entscheidung des Peine Marketing, den Eulenmarkt einzustampfen, geht seit gestern durch Peine. Sicher ist die Kritik an vielen Stellen berechtigt, ABER, auch wir haben uns verändert.

Diejenigen, die vom Eulenmarkt von vor 20 Jahren schwärmen, sollten mal auf ihr heutiges Ausgehverhalten schauen. Sitzen wir heute nicht lieber mit unserer Familie im Garten? Ist es nicht so, dass wir heute nicht mehr das Gefühl haben etwas zu verpassen, wenn wir mal nicht zu einer Veranstaltung gehen? Ist es auch nicht so, dass wir als Jugendliche und Heranwachsende immer Kohle auf Tasche hatten (mir unerklärlich wie das immer geklappt hat), heute aber dreimal überlegen, wofür wir unser Geld ausgeben?

Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ macht es uns schwer

Meiner Meinung nach ist die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ Schuld am Ende des Eulenmarktes. Wir wollen bespaßt werden, am besten mit namhaften Bands. Bezahlen wollen wir aber bitte nicht dafür. Wir wollen Sicherheit für uns und unsere Kids. Bezahlen wollen wir aber nichts dafür. Natürlich möchten wir etwas leckeres Essen und Trinken sowieso. Aber günstig muss es sein. Das sollte doch selbstverständlich sein. Aufwachen! Ist es aber nicht. Wer soll das denn bezahlen? Eine andere Möglichkeit, außer über Standgebühren hat das PM doch gar nicht Einnahmen zu generieren. Ich möchte nicht wissen wer hier alles auf die Barrikaden geht, wenn die Stadt ein solches Fest extra bezuschussen würde.

Es ist sicherlich bei den heutigen Auflagen nicht einfach, ein Fest dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen. Und nein, dafür sind weder die Flüchtlinge verantwortlich noch Frau Merkel. Das ist einfach die Entwicklung der Zeit. Aus Fehlern lernt man, siehe Loveparade in Duisburg… Sicherlich hat auch das PM nicht alleine entschieden, damals die Wirtschaftsschau aufzugeben. Wenn Rückmeldungen von Unternehmen kommen, die besagen „außer Spesen nichts gewesen“, ja wozu soll so ein Event dann aufrechterhalten bleiben? Weil wir so tolle Erinnerungen daran haben, wie wir mit 16, 17 da rumgeschlendert sind als Beutelratte, nur scharf auf Werbegeschenke und uns – jetzt mal ganz ehrlich – die Unternehmen einen Dreck interessiert haben? Stufenweise wurde die Wirtschaftsschau abgeschafft, aber schlussendlich war einfach das Interesse der Bürger – also unser Interesse – nicht groß genug.

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld…..

Sicherlich hätte man über geringere Standgebühren sprechen können, anstatt das gesamte Fest einzustampfen. Vielleicht nur eine Bühne – und nicht drei. Aber mal ehrlich, die Kritik an der Auswahl der Buden. Was soll denn da kommen? Was würdet ihr wirklich kaufen? Wird Schund geboten, stehen die Meckerer sofort auf dem Plan. Wird Hochwertiges geboten, ist es zu teuer. Arbeitnehmer gehen alleweil auf die Straße und demonstrieren für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Auch bei so einem Stadtfest müssen Mitarbeiter des PM arbeiten – anständig bezahlt werden sollen sie dafür aber nicht, oder wie?

Die Acts auf der Bühne – recht machen kann man es sowieso niemandem. Die Jüngeren meckern, wenn etwas für Ältere (Schlagerparade) geboten wird. Das aber die Demografie einfach so ist, es einfach immer mehr ältere Mitmenschen gibt, ja dafür ist doch nicht das PM verantwortlich. Die Jüngeren stehen sich doch selbst im Wege. Auf Malle und im Ski-Urlaub grölen sie doch auch nach Schlagern. Aber in der Heimatstadt wäre das ja peinlich. Würde jedes Jahr der alte Schürmann im Anhänger auf dem Marktplatz stehen, kommt garantiert die Forderung nach etwas neuem. Das wird zu schnell langweilig. Wir jammern auf sehr hohem Niveau, sind nie zufrieden, wollen immer mehr, mehr, mehr….

Die jährlich auf den Plan gerufenen Kritiker und Schlechtmacher in Peine dürften ja gestern einen Freudentanz gemacht haben. Endlich ist der Mist vorbei. Kann man sich doch endlich darauf konzentrieren, andere Veranstaltungen schlecht zu machen. Oder dem PM Veranstaltungen unterjubeln, für die es gar nicht verantwortlich ist, wie z.B. das Street Food Festival. Wie sich da über den Eintritt beschwert wurde. Mannometer. Unternehmer nennen das „natürliche Auslese“ – zu hoch für einige Peiner. Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten.

Schade – aber früher war mehr Lametta

Ich persönlich finde es schade, dass es den Eulenmarkt nicht mehr geben wird. Doch mit der Ansicht „früher war mehr Lametta“ kommen wir nicht weiter. Weder bei diesem Thema, noch bei anderen Dingen, die Peine betreffen. Wir sind selbst schuld. Selber schuld daran, dass es keine anständigen Geschäfte mehr gibt. Uns war es zwischendurch wichtiger, unser Geld in Hannover oder Braunschweig auszugeben. Wir wollen etwas erleben, beim Shoppen. Ein Bier im Härke-Ausschank reicht da nicht mehr aus. Das ist uns zu profan….

5 Kommentare

  1. Schon immer wurden Feste eingestampft, Veranstaltungen abgesagt und ähnliche unpopuläre Entscheidungen getroffen. Und schon immer wurde darüber gemeckert. Nur hat das hat außer den unmittelbar Anwesenden an der Fleischtheke, beim Bäcker oder am Stammtisch niemand gehört. In den Zeiten von Klatschbook ist das anders. Dieses Facebook ist wie Stammtisch. Nur öffentlicher und dümmer! Ich würde auf die Diskussionen bei Facebook überhaupt nichts geben. Völlig uninteressant, überflüssig. Da kann man über Flacherde oder Echsenmenschen diskutieren.

    Viele Grüße und weiter so!

  2. Da ist viel Wahres dran.
    Was ich begrüßt hätte, um die angesprochenen GEMA Gebühren schlank zu halten, wären weniger Tribute-Bands zu buchen. Bands, die nicht nur die Musik ihrer Vorbilder kopieren, sonder auch noch versuchen, genauso auszusehen, sind zwar sehr beliebt, treiben aber die Kosten für solche Events enorm in die Höhe. Es gibt doch genug eigenständige Künstler. Denen wurde nur selten in den letzten Jahren eine Chance gegeben.

  3. Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Engagement der Vereine und der örtlichen Wirtschaft bei solchen Festen. Die Vereine müssen mittlerweile um jedes aktive Mitglied kämpfen und die Peiner Geschäftswelt hat zurzeit ganz andere Probleme!
    “Amazon und Co” werden weder Peiner Vereine noch Veranstaltungen in der Region unterstützen. Wer sein Geld nicht in der Region und unter anderem auch bei der heimischen Gastronomie ausgibt, der muss sich nicht wundern, dass immer mehr Geschäfte und Kneipen vor Ort schließen müssen. Damit fallen auch mögliche Sponsoren weg und es wird schwieriger, Gemeinschaftserlebnisse im Verein oder bei Festen zu finanzieren und zu organisieren.

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