Geschichten vom Andersdenken

Das Ende des Feminismus?

Ich war in den letzten Wochen auf zwei Veranstaltungen rund um das Thema Feminismus unterwegs. Zum einen auf einem Frauenneujahrsempfang, zum anderen auf einer Veranstaltung zum Weltfrauentag. Seitdem lässt mich dieses Thema nicht mehr los.

Es stimmt schon dass wir uns mehr für die Rechte der Frauen einsetzen müssen. Eigentlich erschreckend in einer Zeit wie dieser, die doch so modern sein möchte. Doch je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige, desto mehr wird mir klar:

Für mich ist Feminismus heute ganz viel Anti-Männer und wenig Pro-Frauen. Wir müssen an der Einstellung etwas ändern. An der eigenen.

Denke ich an Feministinnen, habe ich Alice Schwarzer vor Gesicht. Ihr wisst schon. Diese Krawallnudel aus den wilden 70ern. Die mit der EMMA (der Zeitung) und die 1979 die EMMA (die Bratpfanne) verklagt hat. Also vielmehr den Hersteller besagter Pfanne. Das ist die, die Steuern hinterzog, einen Generationenwechsel bei der EMMA (der Zeitschrift) verhinderte und jetzt wahrscheinlich mit der EMMA (der Lokomotive von Jim Knopf) unterwegs ist. Zumindest hab ich schon lange nichts mehr von ihr gehört. Oder ich treibe mich einfach in anderen Kreisen herum.  Möchte ich mich mit ihr identifizieren? Ihre Forderungen sind ja ganz okay und man muss ihr in vielem Recht geben, aber so krass?

Begegnet mir das Thema: Frauen, setzt euch mehr ein (so auch das Credo beim Weltfrauentag, Frauen sollten sich viel mehr in der Politik engagieren), dann schwingt da so viel Zorn, Wut, ja fast schon Hass auf Männer mit. Warum eigentlich? Ein Spruch der mir begegnete “POLITIK macht Spaß – wenn frau es den Kerlen mal so richtig zeigen kann.” Sicher mit einem Augenzwinkern gemeint, aber wie würden wir es finden, wenn die Kerle kontern: “Politik macht Spaß – wenn man es den Weibern mal so richtig zeigen kann.”? Mir missfällt das Wort Kerle, weil es herabwürdigend ist. Eben genau dafür steht, was wir Frauen an der männerdominierten Welt kritisieren.

Warum schauen wir Frauen nicht einmal kritisch hin, warum Männer heute noch immer mehr verdienen als Frauen? Warum sie in Politik und Wirtschaft mitmischen? Und warum es erst eine Frauenquote braucht, um Frauen “an die Macht” zu bringen? Können Männer einfach geschickter verhandeln? Ich denke ja, weil sie emotionsloser sind (im Job eine gute Eigenschaft, in der Partnerschaft eher zum Verfluchen). Ich denke, dass Frauen sich oftmals nicht trauen und wenn sie es doch tun, dann kommt das bestimmt nicht selten (allein schon wegen der höheren Stimme) zickig herüber.

Frauen brauchen mehr Selbstvertrauen (hey, ihr könnt schon lange euren Mann stehen), brauchen weniger Emotionen (hebt euch die für´s Liebesleben auf) und sollten sich einfach mal fragen, ob sie wirklich unbedingt an der Spitze eines Konzerns stehen wollen, um einer der ersten Köpfe zu sein, der rollt. Ich denke einfach: wenn Frau heute wirklich etwas an ihrer Situation ändern möchte, dann kann sie das auch. Und dann macht sie das auch. Vielleicht müssen sich einige Feministinnen mal mit dem Gedanken anfreunden? Doch vielleicht fehlt uns Frauen ja doch der Drive. Doch warum? Ich spreche da mal für mich bzw. das ist meine Meinung:

  • wir leben in einer Spaßgesellschaft. Viele Frauen die ich kenne (von denen viele im übrigen nach außen hin mit sich und der Welt im Reinen sind) leben einfach ihr Leben. Sind mit Job und Familie zufrieden. Fahren in den Urlaub, unternehmen auch sonst recht viel. Sich da für andere Frauen, denen es nicht so gut geht, einsetzen, ist ein Gedanke, der ihnen nicht kommt (mir bislang auch nicht).
  • fühlen wir uns in der “Opferrolle” wohl? Wir jammern und zetern. Wir fühlen uns benachteiligt. Ungerecht behandelt. ER kommt mit allem durch. SIE muss um jeden Scheiß kämpfen. Kenne ich nur zu gut. Doch viele die ich kenne, jammern einfach weiter, anstatt sich zu bewegen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Warum eigentlich?
  • eigene Bequemlichkeit – oh ja, die spielt wohl eine große Rolle. Man ist neben Job und Familie einfach zu bequem sich in einem Ehrenamt einzusetzen. Wann denn auch? Kinder, Haushalt, Wäsche, Kochen. STOP! Da war sie wieder, die typische Rollenverteilung. Ich lebe sie nicht. Von Anfang an gab es in meiner Beziehung klare Regeln: ICH koche unter der Woche (weil ich im Homeoffice arbeite), ER am Wochenende (mit Küche hinterher aufräumen). ICH wasche Wäsche, ER bügelt seine Hemden alleine (hat er nach meinen ersten Bügelergebnissen selbst eingesehen). ER geht Vollzeit arbeiten, ICH gehe Vollzeit arbeiten. WIR leben in einer Patchwork-Familie. ICH kümmere mich um mein Kind. Allein. Wenn ER meint, ich habe zu wenig Zeit für ihn, muss ER mir den Rücken frei halten. Wie? SEINE Angelegenheit. Genau weil ich – dann wohl in einer perfekten Welt lebe – habe ich mich nie mit dem Gedanken beschäftigt, dass ja nicht alle in einer solchen Situation stecken. Großer Fehler, wie ich heute weiß.
  • ich identifiziere mich nicht mit bekannten Feministinnen, denn ich habe bei diesem Thema immer Alice Schwarzer vor Augen. Und das hat ab sofort ein Ende.
  • oder ist es einfach so, dass Frau Angst davor hat, was vielleicht der Partner oder der Freundeskreis sagt, wenn sie sich plötzlich für Frauen einsetzt?

Ich habe einfach mal nachgefragt:

ICH: Wie würdest du reagieren, wenn ich mich jetzt plötzlich für Frauen einsetze?

ER: Hm, ich würde das wohl nicht ganz ernst nehmen.

ICH: Warum?

ER: Weil Feministinnen so viel Anti-Männer und so wenig Pro-Frau sind.

Und genau hinter diesem Spruch stehe ich: Feminismus wird so häufig wie oben schon ausgeführt mit Männer-Hass gleichgesetzt und so wenig mit Frau. Auf dem Event zum Frauenwelttag waren alle Peiner Parteien mit ihrer “Frauen-Abteilung” vertreten. Nette Broschüren, nette Gespräche, ganz viele tolle Frauen. Da möchte man schon ein Teil von werden. Doch wie? Und wo? Es ist wie bei den Wahlen, da weiß ich auch nicht wen ich wählen soll, weil mir eigentlich keine Partei mit ihrem Programm so richtig gefällt. Und so wählt man das kleinere Übel. Soll ich das bei meiner Wahl, wo ich mich zukünftig engagieren will auch so machen? Ich würde ja gerne was machen – alleine schon, um IHM zu zeigen, dass er mich sehr wohl ernst nehmen kann, ja einfach muss. Ich würde mich gerne für Frauen einsetzen und dabei – nicht ganz uneigennützig – auch etwas gegen meine persönliche Situation als alleinerziehende Unternehmerin mit voller Risikohaftung unternehmen. Doch wo?

Ein Infostand am Weltfrauentag stammte von der “Frauen Union Peine”. Gebe ich das bei Google ein, finde ich einen Facebook-Account. Leider keine Webseite. Ich suche weiter. “CDU Peine” und finde nach langem Suchen auf der Webseite einen Link zur Frauenunion. Bingo. Aber warum so versteckt? Warum finde ich euch nicht über Google? Wir sollten reden 🙂 – Endlich kann ich schauen, was die Damen eigentlich machen. Sind sie die richtigen für mich?

Ich suche weiter: “SPD Frauen”. Und finde sofort die Arbeitsgemeinschaft Sozialdempokratischer Frauen. Doch erst nach langem Suchen finde ich die Damen, die hier in Peine für mich in Frage kämen. Frauen in der SPD. Und da ist auch gleich ein Programm der Frauen zum Download. Leider aus 2011.

Weiter geht meine Suche nach den GRÜNEN. “Grüne Frauen” gebe ich bei Google einfach mal ein und schaue mir jetzt nicht die Ergebnisse der Bildersuche an. Gleich der erste Treffer passt. Es ist die Seite der Frauenpolitik der Grünen. Ich kann mich also informieren. Nach ein bisschen hin und her finde ich die Grünen in Peine. Ich gelange auf die Webseite, finde aber nichts speziell für Frauen.

Wer war da noch vertreten? Ach ja, die DGB Frauen Peine. Ich suche. Und finde. Schnell. Bingo. Auf der Webseite der ver.di-Frauen steht alles.

Nun bin ich noch mehr verwirrt. Weiß immer noch nicht, wem ich mein Engagement entgegenbringen soll. Daher lasse ich mich jetzt einfach finden. Hier meine Statements:

JOB & FAMILIE unter einem Dach

Ich bin dafür, dass Frauen im Job die gleichen Chancen bekommen, wie Männer. Allerdings nur wenn sie wirklich wollen. Frauen, die trotz Kind in ihrem Job bleiben wollen, müssen ein Anrecht auf Kinderbetreuung haben, deren Kosten der Arbeitgeber trägt. Arbeitgeber haben einen hohen Nutzen von gut ausgebildetem Personal, von Mitarbeitern die schon jahrelang im Unternehmen sind und die Abläufe kennen. Sie sollen dafür bezahlen, dass ihnen dieses unschätzbar wertvolle Personal zur Verfügung steht. Das geht nur wenn die Kinderbetreuung gesichert ist. Damit Unternehmen das finanzieren können, sollten sie den Solidaritätszuschlag bekommen. Das wäre doch fair für alle, denn schlussendlich profitieren alle davon. Frauen, die sich zunächst lieber um ihren Nachwuchs kümmern wollen, sollten während dieser Zeit die Chance erhalten, sich fortzubilden und am Ball zu bleiben, um später an ihren vorherigen Arbeitsplatz – ohne Einschränkungen – zurückkehren zu können. In diesem Zuge fordere ich flexible Arbeitszeiten und Arbeitsplätze. In Zeiten des Internets kann nahezu jede Arbeit von zu Hause erledigt werden. Unternehmer müssen von diesem Gedanken: nur ein physisch vorhandener Arbeitnehmer ist ein guter Arbeitnehmer abrücken. Gerade für Verwaltungs- und Bürojobs trifft das zu. Das Frauen dabei genauso viel verdienen müssen wie Männer, versteht sich ja wohl von alleine.

Feel-Well-Manager in jedem Unternehmen

Kennen Sie Feel-Well-Mananger? Das sind Personen in einem Unternehmen, die sich nur um die Belange der Mitarbeiter kümmern. Und zwar die, die privater Natur sind. Es gibt diese Manager schon in zahlreichen Unternehmen. Meiner Meinung nach sollte das eine Pflicht für jeden Arbeitgeber werden. Die Feel-Well-Manager kümmern sich rein um private Dinge der Mitarbeiter. Beispiel gefällig? Gerne. Frau Müller, Sekretärin der Geschäftsführung, bekommt von ihrem Chef zwei Stunden vor Feierabend eine Präsentation aufgedrückt. Nichts ist vorbereitet. Der Chef braucht sie morgen früh um 8. Eigentlich wollte Frau Müller heute mal ein bisschen eher gehen. Da steht doch der Grillabend in der Grundschule an und sie hat sich bereit erklärt einen frischen Salat beizusteuern. Frisch bedeutet dann aber auch, dass sie den erst noch machen muss. Sie ruft die Feel-Well-Managerin im Unternehmen an und bestellt einen frischen Salat für 40 Personen. Sie braucht ihn in zwei Stunden. Und dann tritt sie in Erscheinung. Der Engel, das Heinzelmännchen, von dem wir immer träumen. Die Feel-Well-Managerin nimmt Frau Müller die Arbeit ab. Diese kann die Präsentation in Ruhe fertigstellen und genießt trotzdem den Abend mit den anderen Eltern in der Schule. Die Rechnung von rund 15 Euro für den Salat übernimmt natürlich Frau Müller. Hätte sie ja ohne bezahlen müssen.

Sehen Sie, so einfach wäre das. Rücken freihalten nennt man das in der Familie. Ein echt cooler Chef sein in Unternehmerkreisen. Denn so ein Feel-Well-Manager holt mir auch die Anzüge aus der Reinigung, bringt meine (oder seine) Hemden zur Bügelstation, putzt mein Auto, fährt für mich tanken. Packt meine Geburtstagsgeschenke ein oder bucht ein gemütliches Candlelight-Dinner zum Hochzeitstag. Er hält mir den Rücken frei, damit ich meine Arbeit erledigen kann, ohne pausenlos im Stress zu stecken.

Kein Sexismus

Dazu muss ich nicht viele Worte verlieren. Frauen macht man nicht an, außer sie wollen es. Gilt natürlich auch andersherum. Jedoch darf Frau auch nicht vergessen, wir ihr äußeres Erscheinungsbild vielleicht auf andere wirkt. Nicht jeder Minirock ist natürlich eine Einladung zum Tatschen. Aber so ganz vergessen dürfen wir Frauen auch nicht, was für eine Wirkung da so von uns ausgeht. Und jetzt mal so unter uns: wem kommen nicht auch schon mal schlüpfrige Gedanken bei einem gestandenen Herrn mit Anzug und Krawatte oder Blaumann?

Vor einiger Zeit schon ist mir das Buch “Dann mach doch die Bluse zu: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn” von Birgit Kelle aufgefallen. Ich hab es jetzt endlich bestellt und freu mich riesig. Weil, ich glaube hier wird ein Problem recht gut angegangen. Der Titel provoziert. Ihr Blogbeitrag bei THE EUROPEAN gefällt mir.

Die Sache mit den Alleinerziehenden

Nun sitze ich hier und überlege, was ich noch fordern könnte bzw. für was ich noch einstehen würde. Für die Gleichbehandlung Alleinerziehender. Das ist einer der wichtigsten Punkte, denn das betrifft mich selbst. Inzwischen gehe ich auf die Barrikaden wenn ich irgendwas von “mehr Rechte für Väter” lese. Und was ist mit den Pflichten? Wenn ein Vater seiner Unterhaltsverpflichtung nicht nachkommt, zahlt das Jugendamt. Aber nur mit massiven Einschränkungen. Kommt der Vater dann wieder zu Job und Geld, muss Mutter um die Kohle kämpfen. Natürlich nicht ohne einen kostenintensiven Anwalt einzuschalten. Will Mutter mit dem Kind ins Ausland in den Urlaub, muss Vater zustimmen (soweit okay), macht er das nicht, muss sie den Urlaub vor Gericht erstreiten. Alle zwei Wochen macht Vater einen auf Vater. Will er das Kind nicht. Muss er nicht. Mutter kann sich da nicht rausreden. Mutter ist immer da. Arbeiten gehen? Nur mit massivem Verzicht auf ein Sozialleben und Freizeit möglich. Vater schaukelt inzwischen die … ach lassen wir das. Sechs Wochen Sommerferien. 6 Wochen. Mutter nimmt ihren kompletten Jahresurlaub oder bezahlt eine teuere Kinderbespaßung. Vater muss nicht. Von den anderen Ferien mal abgesehen. Pfändungsgrenzen werden hochgesetzt. Nur der Unterhalt nicht, das Kindergeld nur um Almosen. Leben für Alleinerziehende beginnt mit dem 18. Lebensjahr des Nachwuchses. Wo kann man da noch das Mutter-Sein genießen? Es ist eine Scheiß-Pflicht sich um das Kind zu kümmern. Auch für Väter!

Ich habe einfach die Nase gestrichen voll. Ich weiß, dass es auch anders geht. Ich weiß, das es auch Arschloch-Mütter gibt. Aber das sind eben eher die Ausnahmen und deshalb muss diese ganze Sache gerechter werden. Nicht zahlende Väter strenger von Behörden verfolgt, nicht kümmernde Väter am Schlafittchen gepackt werden. PUNKT!

Tja, und nun liebe Frauenbewegungen könnt ihr euch bei mir bewerben. Kontakt unter hallo@kathrin-bolte.de. Nein, Spaß beiseite. Ich möchte euch einladen, euch auf meiner Seite hier vorzustellen. Jeder Frauengruppe in Peine möchte ich dort eine Bühne geben, um sich und ihre Ansichten, Forderungen und ihr Handeln zu beschreiben. Alle Beiträge werden veröffentlicht, sofern sie niemanden beleidigen. Ich hätte da auch schon den passenden Hashtag #PEINEpower – weil ich halte es da wie Hedwig Dohm, die ich dank Silke Tödter auf dem Event zum Frauentag kennen lernen durfte und die sagte:

“DIE MENSCHENRECHTE HABEN KEIN GESCHLECHT”.

Also, ich würde mich freuen von euch zu hören – bis dahin, eure neue, moderne Feministin Kathrin Bolte

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