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BOLTEschreibt: an Nina Grygoriew – Chefredakteurin der Laviva

Ein neues Editorial hat meine Aufmerksamkeit geweckt und mich zum Nachdenken gebracht. Daher gleich ein neuer Beitrag. Mein Brief richtet sich heute an Nina Grygoriew, Chefredakteurin der Laviva.

Im Heft 10/2014 stellt sie im Editorial die Frage “Was können Frauen von Männern lernen?”. Im ersten Augenblick dachte ich: gar nichts. Doch auf den zweiten Blick fielen mir da doch jede Menge Sachen ein. Und da heute Weltmännertag ist, könnte das Thema ja gar nicht besser passen, oder?

Liebe Nina Grygoriew,

Regale andübel? Autos reparieren? Ja, das könnten mir Männer beibringen. Doch wie Sie selbst anmerkten, können Frau sich das auch selbst beibringen. Bei mir wäre da daber leider nichts zu machen. Beim Regale anbringen bin ich hoffnungslos überfordert, weil mir der Krach der Bohrmaschine Zahnschmerzen verursacht. Außerdem habe ich mal mitbekommen, wie mein Vater in einer meiner vielen Wohnungen in der Küche ein Kabel angebohrt hat. Seitdem stehe ich selbst diesen “Kabel-Such-Maschinen-Dingern” sehr kritisch gegenüber. Ich mag es einfach nicht. Und Autos reparieren kam bei mir so gut wie noch nie vor. Ich brauche alleweil eine Veränderung und somit kauf ich lieber ein neues Auto. Das macht wenigstens Spaß.

Dennoch gibt es eine Menge, die Männer mir schon beibringen konnten. Mein Lebensgefährte beispielsweise brachte mir bei, dass man für ein gutes, saftiges Steak gar nicht unbedingt in ein Steakhaus gehen muss. Man kann das auch leicht zu Hause zubereiten. Des Weiteren zeigte er mir wie man total leckeren Kartoffelbrei macht – ohne Tüten aufzureißen. Männer als neue Mutti? Klar. Weil damals, als meine Ma mich immer in die Küche drängeln wollte, waren andere Dinge viel interessanter.

Ein anderer Mann zeigte mir mal, das nichts so schön ist wie der schöne Schein. Ja, man lernt eben auch aus Fehlern und das nicht zu knapp.

Liest man den Artikel im Heft 10/2014 “Der Einfluss der wilden Kerle”, dann gibt es im Leben einer Frau angeblich drei Männer, die das Leben der holden Weiblichkeit massiv beeinflussen. An erster Stelle steht der Vater. Da kann ich nur zustimmen. Mein Vater ist ein Gott von einem Handwerker. “Papa, unsere Küche ist schief, baust du mir da eine passgenaue rein?” – “Klar mein Kind, wo ist das Holz?” – und so schuf mir mein Vater eine perfekte Einbauküche. “Papa, guck mal so ein Schreibtisch ist toll!” oder “Papa, ich brauche einen Schminktisch!” – alles wurde erfüllt. Kein Wunder das ich alle kommenden männlichen Exemplare an deren handwerklichem Geschick maß. Wehe einer konnte nicht mal einen Nagel in die Wand hauen.

Laut des Artikels ist der zweite wichtige Mann im Leben einer Frau der Bruder oder ein Nachbarsjunge. Nen Bruder habe ich nicht. Aber es gab da in der Tat jemanden in der Nachbarschaft, an den ich mich bis heute gerne erinnere. Eigentlich waren es sogar zwei. Wir waren ein unschlagbares Trio und haben auf den Spielplätzen in unserer Wohngegend immer “Ein Colt für alle Fälle” gespielt. natürlich war ich die schöne Assistentin Jody Banks, der eine Typ war der coole Stuntman Colt Seavers und der Andere der tollpatschige Schönling Howie Munson, genannt „Kleiner“. Ach man, das waren noch Zeiten. So wirklich geprägt haben mich die beiden Jungs jetzt nicht, aber wir hatten immer sehr viel Spaß und so gehöre ich zu denen die sagen können “ich hatte echt eine tolle Kindheit”.

Der dritte wichtige Mann im Leben einer Frau ist laut Artikel der erste Freund. Ja, der ist schon prägend. Ich habe da ganz viele gute Erinnerungen, aber auch viele an Herzschmerz und Liebeskummer. Leider ist meine erste große Liebe bereits verstorben. Wir waren über die Jahre hinweg – und das war immerhin fast 20 Jahre – sehr gute Freunde gewesen. Ohne ihn hätte ich so manche kleinere und größere Lebenskrise wahrscheinlich nicht mit so viel Humor überstanden. Irgendwann haben wir uns ein wenig aus den Augen verloren. Bis ich dann in der Zeitung von seinem Tod las. Das hat mir weh getan. Das brachte mir Vorwürfe ein. Habe ich ihn im Stich gelassen, als er vielleicht mal meine Hilfe gebraucht hätte? Hätte, hätte… es ist passiert. Ich kann es nicht ändern. Aber geprägt, ja geprägt hat er mich und mir vor allem gezeigt, dass es sowas wie eine echte Freundschaft durchaus zwischen Mann und Frau und noch besser zwischen Ex und Ex geben kann.

Ob mein jetziger Mann mich groß beeinflussen kann? Ob ich viel von ihm lernen kann? Ich weiß nicht genau. Ich weiß nur, er ist der Ruhepol den ich zum Glücklichsein brauche. Und das, obwohl mir sein “ich hab immer die Ruhe weg” häufig ziemlich auf den Geist geht. Ob es in meinem Leben noch andere Männer gibt, die mich beeinflussen, prägen oder von denen ich was lernen kann? Hm, ich würde sagen ja, denn Männer sind doch faszinierende Geschöpfe. Sie inspirieren. Zum Beispiel zu einem Kopfkino: mal Horrorstreifen, mal Romanze und ganz häufig eine Komödie.

Es grüßt Ihre Kathrin Bolte

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